Aus dem Reisetagebuch der Jubiläumsreise nach Brasilien von Miriam München
Mein Reisetagebuch rund um das einzigartige 75-jährige Jubiläum in Brasilien kommt mit meinem letzten Bericht zum Ende. Abschließend möchte ich berichten vom letzten Jubiläumstag am 14.09.2025.
Der Tag der Frühlingswallfahrt
An diesem Tag sollte es noch einen sehr beeindruckenden Höhepunkt dieser Jubiläumsfeierlichkeiten geben. Es war die Frühlingswallfahrt mit Prozession vom Tabor-Heiligtum zum Heiligtum ‚Basilica Nossa Senhora Medianeira‘ mit vielen Pilgerheiligtümern aus dem ganzen Land. Es waren um die 5.000 Menschen zusammengekommen, um die Prozession und die anschließende Festmesse am Altar ‚Monumento de Nossa Senhora‘ mit dem Erzbischof von Santa Maria Leomar Antônio Brustolin und anschließender Erneuerung der Krönung der Pilgerheiligtümer zu erleben.
Mit der DeutschlandfahneMittendrin
Auch unsere 11-köpfige Delegation war mittendrin bei der Prozession. Dadurch, dass wir unsere Deutschlandflagge nicht an einem Fahnenstab befestigt hatten, damit es bei der Prozession nicht zu schwer würde, liefen wir mitten im Prozessionszug mit und nicht vorne bei den Fahnenträgern.
Wir fanden das gar nicht schlimm, sondern genossen sogar die Momente, wenn andere Pilger Fotos mit uns und der Flagge machen wollten.
Wir hatten viel Spaß dabei, dass wir die Flagge so flexibel einsetzen und untereinander weiterreichen konnten. Doch das größte Geschenk sollte noch nach der Prozession folgen.
„Die deutsche Fahne muss mit nach vorn!“
An den Stufen des Altares
Als wir an der Basilika angelangt waren, wollten wir uns gerade einen guten Stehplatz für unsere Gruppe suchen, als eine brasilianische Marienschwester auf uns zugestürmt kam und nur rief: „Mitkommen, mitkommen, die deutsche Fahne muss mit nach vorne.“ In Windeseile liefen wir zu dritt mit der Flagge in der Hand im Slalom der Schwester hinterher und durch die wartenden Pilger hindurch bis auf die obersten Treppen am Altarraum. „Hier stehenbleiben!“, kam die Anweisung und da standen wir nun, ganz oben, ganz nah am Altargeschehen. Die Fahnenträger der anderen Länder hingegen mussten ihre Flaggen im Altarraum in Ständer abgeben und dann die Treppen hinunter zu den anderen Wallfahrtspilgern. Bei der Predigt des Erzbischofs waren wir wohl die „Am-nächsten-Stehenden.“
Das Geheimnis des Kreuzes
Erzbischof Brustolin hielt bei der Predigt das Kreuz der Einheit hoch und predigte über das Geheimnis des Kreuzes Christi und der Gottesmutter Maria, die unterm Kreuz ihres Sohnes stand.
Einige Gedanken aus der Predigt habe ich in mein Reistagebuch notiert:
Das Geheimnis des Kreuzes besteht darin, dass es das Zeichen des Todes ist, aber dass es zu einem Lebenszeichen wird. Es ist das göttliche Paradoxon: Gott verwandelt Niederlage in Sieg durch das Zeichen des Kreuzes. Der Weg zum Ruhm führt über das Kreuz. Am Kreuz rettet Gott nicht nur, sondern offenbart seine Liebe. Nicht um zu herrschen, sondern um zu dienen. Nicht um aufzuzwingen, sondern um zu geben.
Der Bischof mit dem Kreuz der Einheit
Das Leben besteht aus Höhen und Tiefen. Es ist wichtig zu verstehen, was das Leben wirklich bedeutet. Nicht immer erleben wir sonnige Tage; schwierige Zeiten gehören ebenso dazu. Deshalb sind wir eingeladen, in allen Lebenslagen standhaft zu bleiben – in Gesundheit und Krankheit, in Freude und Trauer. Der christliche Glaube lehrt uns, in jeder Situation auf Gott zu vertrauen.
Wenn wir auf das Geheimnis des Kreuzes schauen, sehen wir Maria zu Füßen Jesu. Dieselbe Maria, die einst voller Eile über die Berge zu ihrer Verwandten Elisabet ging, steht nun unter dem Kreuz, an dem das Heil der Welt vollbracht wird. Sie bleibt ihrem Sohn treu bis zum Ende und wird so zum Vorbild des Glaubens und der Hoffnung.
In der Schönstatt-Bewegung verehren wir Maria als die Pilgernde Gottesmutter. Sie besucht unsere Häuser und Familien und erinnert uns bei jedem Besuch an das Geheimnis des Kreuzes. Wer Maria aufnimmt, nimmt zuerst Jesus auf. Maria steht niemals im Mittelpunkt; sie führt immer zu Christus. Ihr ganzes Leben weist auf ihren Sohn hin.
Der Ehrwürdige João Luiz Pozzobon lebte diese Spiritualität in beispielhafter Weise. Jahrzehntelang trug er das Bild der Pilgernden Gottesmutter von Haus zu Haus und brachte den Menschen den Segen Gottes. Sein Leben war ein stilles, aber kraftvolles Zeugnis des Glaubens, des Dienstes und der Liebe.
Heute feiern wir das Kreuz nicht als Zeichen des Leidens allein, sondern als Baum des Lebens. Wie der heilige Andreas betet: ‚Sei gegrüßt, o Kreuz, unsere einzige Hoffnung.‘ Das Kreuz ist die Brücke zwischen Himmel und Erde. Dort wurde die Liebe Gottes sichtbar und dort hat Christus die Menschheit erlöst.
Gottesdienstgemeinde
Die Pilgernde Gottesmutter hilft uns, das Kreuz in unsere Häuser und in unsere Herzen aufzunehmen. Das Beispiel des Ehrwürdigen João Luiz Pozzobon lädt uns ein, das Kreuz des Lebens in Liebe zu tragen und unseren Glauben durch Nächstenliebe und Dienst an den Menschen sichtbar werden zu lassen.
Vor dem Kreuz sind wir aufgerufen, wie Maria standhaft zu bleiben – mit festem Glauben und einem offenen Herzen. Wir sind eingeladen, hinauszugehen, die Pilgernde Gottesmutter zu den Menschen zu bringen und sie zu Christus zu führen.
Mit dem heiligen Paulus bekennen wir: ‚Jesus Christus ist der Herr, zur Ehre Gottes, des Vaters.‘ Dieses Bekenntnis soll unser ganzes Leben prägen.
Möge der Herr jeden von uns stärken, wie er auch Maria unter dem Kreuz gestärkt hat. Es gibt wohl keinen größeren Schmerz als den einer Mutter, die ihr Kind verliert. Dennoch blieb Maria in ihrer Liebe und ihrem Vertrauen auf Gott unerschütterlich. Darin ist sie uns Vorbild.
Beten wir, dass wir bald die Seligsprechung des Ehrwürdigen João Luiz Pozzobon erleben dürfen. Möge sein Leben weiterhin viele Menschen inspirieren und die Früchte der Kampagne der Pilgernden Gottesmutter vermehren. Möge sein missionarischer Eifer auch unsere Herzen entzünden, damit wir Christus mit Freude zu den Menschen tragen.
Soweit meine Mitschrift zu der sehr beeindruckenden Predigt von Erzbischof Brustolin.
Ein besonderer Moment der Herzlichkeit
Mit Humberto Pozzobon
Am Ende der Festmesse trug Humberto Pozzobon, der Sohn von Diakon João Luiz Pozzobon, das große Pilgerbild auf der Schulter vor den Altar und auch zwei seiner Schwestern waren anwesend. Ein bewegender Moment, der für uns drei Delegierte auf den Stufen zum Altarraum auch noch einmal besonders wurde, da Humberto uns mit der deutschen Flagge sah, zu uns kam und uns herzte und küsste. Gemeinsam konnten wir noch ein Foto machen und waren ganz beeindruckt von dieser Freundlichkeit. Näher konnten wir dem Initiator der Kampagne und ehrwürdigen Diakon Pozzobon wahrlich nicht mehr kommen, als dass sein eigener Sohn uns fest in seine Arme schloss.
Eine schöne Jubiläumsreise geht zu Ende und bleibt im Herzen
Bischof und Familien Pozzobon
Zum Ende unserer Reise bleibt mir nur noch zu schreiben, dass ich voll Überzeugung um die Seligsprechung dieses einzigartigen, beeindruckenden, menschennahen, hilfsbereiten, hoffnungsvollen Pilgervaters beten werde. Sein Werk hat die Gemeinde in Santa Maria, aber auch in der ganzen Welt ein Stück zum Besseren hin verändert.
Eine schöne Jubiläumsreise geht zu Ende, die wir mit vielen Bildern, Begegnungen, Freundschaften, Feierlichkeiten und besonderen Orten in unseren inneren Tagebüchern mit nach Hause und in unseren Alltag tragen.
Für das Projekt Pilgerheiligtum Ihre Miriam München
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